Gute Nachricht, schlechte Nachricht

Erst die schlechte Nachricht: Wegen der behördlich angeordneten Covid-19 Sicherheits- und Hygieneauflagen sind Indoor Veranstaltungen weder für unsere Veranstalter noch für uns wirtschaftlich und logistisch durchführbar. Daher sind auch wir gezwungen, unsere diesjährige NACH WIE VOR-Tournee 2020 bis auf wenige Ausnahmen abzusagen. Es ist uns gelungen, die Konzerte ins nächste Jahr zu verlegen. Die Terminänderungen findet ihr auf unserer Homepage in der Rubrik LIVEBereits erworbene Karten behalten ihre Gültigkeit. Ich bitte euch darum, die Karten für die Ersatztermine zu nutzen, um unsere Veranstalter nicht noch zusätzlich zu belasten. Natürlich könnt ihr euch aber auch die Tickets erstatten lassen, falls ihr den neuen Termin nicht wahrnehmen könnt.

Und jetzt die gute Nachricht: Ich freue mich, dass in diesem Sommer doch noch einige kleine und feine Open-Airs an ungewöhnlichen Orten stattfinden können. Diese werden oft sehr kurzfristig angesetzt.  Schaut darum regelmäßig auf unsere LIVE-Termine. Ich kann's kaum erwarten, euch wiederzusehen!


Die Welt ins Ohr bringen

Appell an alle RadiomacherInnen

Liebe Radiomacherinnen und Radiomacher!

Seit Tagen berichtet ihr -völlig zu Recht- über die in Folge der Coronakrise drohende Verarmung von Kulturschaffenden in Deutschland. Denn es stimmt: Deutschland rollt unter anderem auch auf eine kulturelle Katastrophe zu, die sich vielleicht erst bemerkbar macht, wenn wir das hier alles überstanden haben.

Denn dann werden wahrscheinlich viele Clubs und Veranstalter den Ausnahmezustand finanziell nicht überlebt haben. Und das werden genau die Locations sein, bei denen man bis vor kurzem noch Künstler sehen konnte, ohne dabei auf eine Videowand starren zu müssen. Künstler, die live spielen. Die Stimmen haben, die ohne Autotune auskommen. Und die ihre Instrumente beherrschen. Einfach so. Wie Musik eben sein sollte.

Ihr berichtet darüber. Und das ist gut so.

Aber ihr könntet jetzt mehr tun, als nur das. 

Seit fast drei Jahren mache ich die SONGPOETEN auf WDR4. In meiner Sendung beträgt der Anteil deutschsprachiger Songs in der Regel 80-90%, mitunter sogar darüber hinaus.

Denn es gibt sie: tolle Songschreiberinnen und Songschreiber, die wirklich etwas zu erzählen haben. Die unseren Gefühlen und auch Sorgen Ausdruck verleihen, die uns mit ihren Liedern aus mancher persönlichen Krise rausgeholfen haben und die uns mit ihren Texten nicht selten neue Perspektiven auf unser Leben eröffnen.

Es gibt sie und es sind mehr als die zehn, die ihr uns jeden Tag auf euren Rotationslisten präsentiert.  

Auf meiner Musikschätze Playlist auf Spotify (https://spoti.fi/2x2W9fQ) seht ihr Hunderte von Songs, die bis jetzt in meiner Sendung gelaufen sind. Darunter viele Künstlerinnen und Künstler, von denen ihr vielleicht noch nie gehört und die ihr vielleicht noch nie gespielt habt. Die aber jetzt auf jeden Cent angewiesen sind, z.B. auf GEMA Einkünfte durch eure Radioeinsätze.

Hört sie euch an.

Und dann denkt über folgendes nach: 

Fast alle Künstler leben mittlerweile vom Livegeschäft und nicht von Tonträgerverkäufen, deren Zahlen überall rückläufig sind. Aber keine Konzerte bedeuten nicht nur keine Gagen, sondern auch keine Einnahmen durch Merchandising. Und natürlich auch keine GEMA-Einnahmen durch Aufführungen, die einzigen nennenswerten Einnahmen für Künstler derzeit. 

Keine Einnahmen bedeuten das AUS.

Werden unsere Kulturschaffenden ärmer, wird auch unser Leben ärmer.

Liebe Radiomacherinnen und -macher, ihr sitzt genau da, wo man jetzt etwas ändern kann. Erweitert eure Formate wenigstens jetzt in der Krise für die, die dieses Land mal ausgemacht haben: die Dichter und Denker.

Zeigt, dass ihr sie nicht vergesst. Spielt ihre Songs! Gerne auch rauf und runter, so wie ihr das mit den Hits der 60er, 70er, 80er auch macht. 

Spielt all die vielen Songschreiberinnen und Songschreiber, die uns die Welt ins Ohr bringen. Die Welt, wie sie wirklich ist. 

Und die uns mit ihren empathischen Texten den Trost spenden, den wir in diesen Tagen so gut gebrauchen können.

Tut bitte was! Bevor sie nicht mehr da sind. 

Das wünscht sich euer Purple Schulz 

Köln, den 18.03.2020


Unser Studio-Konzert "Berühren ohne Berührung" aus den Riverside Studios, Köln

Hier geht es zum Video: Studio-Konzert „Berühren ohne Berührung“ aus den Riverside-Studios

Dieses Konzert haben wir am 09.04.2020 im Rahmen der Reihe "Berühren ohne Berührung" aufgezeichnet. Nur Markus Wienstroer an der Gitarre und ich in einem Studio mit fünf Kameras. Ohne Zuschauer. Zum ersten Mal dabei ist auch meine 16saitige Harpejji, mit der wir zwei Songs vom "Verliebte Jungs"-Album spielen, die lange nicht mehr auf dem Programm standen. Das Konzert dauert eine Stunde und wird für mich immer ein Zeitdokument bleiben, denn unter solchen Bedingungen habe ich noch nie zuvor gespielt. 

 


Kleine Seen

Vor 'nem halben Jahr kamst du durch diese Tür

und auf einmal war es da, das zärtliche Gefühl

Eine Ameisenarmee rannte über meine Haut

Deine Gesten und dein Lachen war'n mir irgendwie vertraut

Mal bist du mir ganz nah, mal bist du auf der Flucht

mal steh ich auf dem Berg, mal fall ich in die Schlucht

Ich hab dir so viel zu sagen, und wenn du dann vor mir stehst

find ich alles so daneben, doch ich hoffe du verstehst

 

Sie sind dir, meine Tränen

Alles was ich hab… Kleine Seen

Spring doch rein, du wirst sehen

das Wasser ist nicht tief, du kannst drin stehen

 

Manchmal nehm ich dich behutsam in den Arm

Es trifft mich, wenn du weinst und es freut mich, wenn du lachst

Doch ich will dich nicht besitzen, will dich nicht für mich allein

denn zur Liebe gehört Freiheit, und das ist es, was ich mein’

 

Sie sind dir, meine Tränen

Alles was ich hab… Kleine Seen

Spring doch rein, du wirst sehen

das Wasser ist nicht tief, du kannst drin stehen

 

Langsam ist es Zeit, ich glaub, ich hab die Kraft 

es anders zu versuchen, ich hab so viel falsch gemacht

Denn durch dich hab ich gemerkt, wieviel ich noch fühlen kann

und dann wollt ich dir noch sagen, dass ich auch was für dich hab

 

Sie sind dir, meine Tränen

Alles was ich hab… Kleine Seen

Spring doch rein, du wirst sehen

das Wasser ist nicht tief, du kannst drin stehen

 

(Musik: Ch. Moritz, H.-G. Schmitz / Text: D.Hoff)


Verliebte Jungs

Verliebte Jungs

tanzen auf den Straßen

reiben ihre Nasen an den Frauen, die sich das gefallen lassen

Verliebte Jungs

können es nicht lassen, diese Frauen manchmal anzufassen

Verliebte Jungs

tanzen auf den Straßen mit den Frauen, die sich das gefallen lassen

Verliebte Jungs

sind einfach nicht zu fassen

 

Auf einmal ist es da, fast sowas wie ein Hochgefühl

Das Blut pulsiert, das Herz macht bumm und dann wird ihnen schwül

Ein Kribbeln in den Beinen zieht sich rauf bis ins Genick

dann kriecht es noch was höher und im Hirn da macht es klick

 

Verliebte Jungs

tanzen auf den Straßen

reiben ihre Nasen an den Frauen, die sich das gefallen lassen

Verliebte Jungs

sind einfach nicht zu fassen

 

Und hat es erst mal klick gemacht, dann hält sie keiner auf

sie laufen vor Laternen, doch sie stehen wieder auf

Sinnlos sich zu wehren, niemand kommt dagegen an

Sie sprengen alle Ketten, gehen, wenn's sein muss, durch die Wand

Verliebte Jungs sind irgendwie wie Kinder

Je verliebter, je blinder

 

Verliebte Jungs

tanzen auf den Straßen

reiben ihre Nasen an den Frauen, die sich das gefallen lassen

Verliebte Jungs

können es nicht lassen, diese Frauen manchmal anzufassen

Verliebte Jungs

tanzen auf den Straßen mit den Frauen, die sich das gefallen lassen

Verliebte Jungs

sind einfach nicht zu fassen

 

(Musik: Purple Schulz, D. Hoff, J. Piek, / Text: Purple Schulz, D. Hoff, J. Piek)


Ohne mich

Mir egal, woher der Wind weht, wenn ihr wollt, fliegt doch mit!

Wenn ihr meint, dass bei mir irgendwas nicht richtig tickt

Wenn ihr nach all den Jahren noch immer nichts versteht

und meint, ihr seid die Achse, um die sich alles dreht

Dann dreht euch doch im Kreis, macht euch gegenseitig heiß

bis euch richtig schwindlig wird

Macht doch Euren Scheiß ohne mich!

Ohne mich!

 

Bin ich Euch zu radikal, ist es mir doch so egal

Wer raus will aus dem Glashaus, hat doch keine Wahl,

als mit Steinen zu werfen - ansonsten bleibt er drin

Ich will hier nicht versauern, nur weil ich gerade hier bin

Ich bin nicht irgendwer, keine Nummer, kein Gesicht

Tut, was ihr nicht lassen könnt, doch macht es bitte ohne mich!

Ohne mich!

 

Ich leb mein ganzes Leben mit Höchstgeschwindigkeit

Für Endlosdiskussionen hab ich keine Zeit

Und wenn ihr hier nicht klarkommt, dann lasst mich bitte raus

Ihr lebt nur mit dem Kopf, doch ich hab auch einen Bauch

Ich habe euren Gurus nie Respekt gezollt

Ist mir total egal, macht doch was ihr wollt

Ohne mich!

Ohne mich!

 

(Musik: Purple Schulz / Text: Purple Schulz)


Der Wal

Der große Geist steigt aus den Fluten

von allen Seiten eingekreist

Ein leises Zischen in der Luft

Die Spitze bohrt sich in das Fleisch

 

Der Körper hebt sich aus dem Wasser

erst Kopf, dann Rumpf, dann taucht er ab

Bald muß er hoch, um Luft zu holen

Er fühlt sich tausend Tonnen schwer

und schrecklich müde und so matt

 

Das Blut von innen ausgeblasen

wie roter Nebel auf dem Meer

Die Kiefer schlagen aufeinander

als ob er brüllt: Ich kann nicht mehr!

Schon viel zu schwach um abzutauchen

so schwimmt er schließlich nur im Kreis

Erbricht den Tintenfisch in großen Stücken

und wälzt sich langsam hin und her

weil er nicht mehr weiter weiß

 

Der sanfte Riese liegt im Sterben

Das Blut versiegt und bald darauf

legt er sich langsam auf die Seite

und eine Flosse zeigt hinauf

Ich gäb was drum, wenn ich es wüsste

wenn ich bloß wüsste, was du spürst

Wir haben uns noch nie gesehen

und doch weiß ich, was du mit deinem Schmerz

und deinem Tod in mir berührst

 

(Text & Musik: Purple Schulz)


Durch Ruinen

Meine Kindheit liegt in Trümmern

und die Trümmer qualmen vor sich hin

Kann mich an gar nichts mehr erinnern

Weiß nicht, wo ich herkomm

noch nicht mal, wo ich bin

 

Und ich laufe durch Ruinen, ohne Plan, ohne Ziel

ohne Anfang, ohne Ende, Laufe, weil ich leben will

 

Abgenabelt, angekabelt

Weder losgelöst, noch schwerelos

Mama, Papa, die Familie

kenn ich nur aus verlogenen Fernsehshows

 

Und ich laufe durch Ruinen, ohne Plan, ohne Ziel

ohne Anfang, ohne Ende, Laufe, weil ich leben will

 

Schau in den Spiegel, such mein Gesicht

Seh alles andere, nur nicht mich

Lauf durch die Gänge, steh vor hundert Türen

die mich nur in hundert andere Gänge führen

Im Labyrinth meiner Begierden

kann ich mich Nacht für Nacht verlieren

In meinen Träumen, meiner Phantasie

da spür ich nichts von meiner Amnesie

 

Und ich laufe durch Ruinen, ohne Plan, ohne Ziel

ohne Anfang, ohne Ende, Laufe, weil ich leben will

 

(Text & Musik: Purple Schulz)


Halt mich fest

Die Tage werden kürzer und die Zeit läuft mir davon

Ich zähl schon die Sekunden, die ich nie zurückbekomm

Und die einsamen Nächte,. wo absolut nichts läuft

Wo selbst die große Liebe sich hemmungslos besäuft

Wo mittlerweile jede große Illusion

geplatzt ist wie ein ganz normaler Luftballon

 

Komm und halt mich fest

Ich will da nicht hinunterfallen…

 

Die Herzen sind noch härter als Marmor, Stein und Stahl

Die, die noch schlagen, schlägt man wie die Wälder alle kahl

Wir machten unsere Schwäche mal zu unserer Kraft

und dachten jahrelang so hätten wir´s geschafft

Doch jetzt fühl ich mich wehrlos, mit dem Rücken an der Wand

Alles, was ich brauche, ist nur Deine Hand

 

Komm und halt mich fest

Ich will da nicht hinunterfallen…

 

(Text & Musik: Purple Schulz)


Wohin willst du gehen?

Du liebst es bunt, du liebst es grell

Du liebst es laut, du liebst es schnell

Und jede Überflüssigkeit wird von dir geliked

Hokuspokus drei zwei eins 

Ein Klick und schon ist alles deins

Schnell bestellt, wenn’s nicht gefällt, geht der Scheiß retour

 

Wohin willst du gehen

wenn du glaubst, du hast alles schon gesehen

Wohin willst du gehen

oder willst du dich nur um dich selber drehen

 

Vom Photoshopping so geschlaucht

hast 20 Anläufe gebraucht

für ein Lächeln das perfekt passt in deine Welt

Sogar dein Frühstück ist gestylt

Es wird verfolgt, es wird geteilt

Du überlegst den ganzen Tag was anderen gefällt

 

Wohin willst du gehen

wenn du glaubst, du hast alles schon gesehen

Wohin willst du gehen

oder willst du dich nur um dich selber drehen

 

Du fühlst dich wie ein Superstar

doch du bist nur dein Avatar

oder’n Kind, das sich total im Netz verheddert hat

 

Wohin willst du gehen

wenn du glaubst, du hast alles schon gesehen

Wohin willst du gehen

oder willst du dich nur um dich selber drehen

Wohin willst du gehen

(Text: Purple & Eri Schulz / Musik: Markus Wienstroer)